Ort Dojo und Tradition ....

In jeder Gesellschaft gibt es Grundsätze, die das Zusammenleben und Auskommen der Menschen
untereinander regeln. Dies gilt heute ebenso wie in früheren Zeiten. In jeder Kultur gab es umfassende
Regeln und Traditionen für das Zusammenleben, die natürlich auf der hierarchischen Gesellschaft basierten
und zum Teil ihren Ursprung in der Religion hatten. Einige Regeln für die Disziplin in den Kampfkünsten
sollten heute für den Übenden, ob Schüler oder Meister selbstverständlich sein.


Im Rahmen der Tradition steht der Begriff ‘Dojo’ steht für den Trainingsraum und sämtliche damit verbundenen moralischen Werte. Die wörtliche Übersetzung aus dem Japanischen ist “Ort der Ruhe“. Das Dojo ist der Ort, an dem man seinen Weg (Do) begeht, um zu studieren. Auf diesem Weg soll erreicht werden, daß der Geist, die Seele sowie der Körper in einem harmonischen Einklang stehen. Durch ständiges Training werden die Übungen bzw. Techniken "verinnerlicht". Das Wort Dojo ist übernommen vom Namen des Trainingsraums der buddhistischen Mönche, in dem diese meditierten und ihre Lehre "studierten“. Ernsthafte Kampfkunstschüler sollten ihrem Dojo mit Respekt begegnen, vor allem dann, wenn sie sich der Bedeutung dieser Örtlichkeit bewußt sind.

Das Dojo sollte sowohl ein Ort für technisches Training wie auch ein Ort für Geisteskultur sein.

Folgende Regeln bzw. Umgangformen sollten u.a. Beachtung finden:

Beim Betreten des Dojos hat sich jeder Budoka zu verbeugen. Dies geschieht aus Respekt vor den Begründern und den Meistern der gelehrten Budosportart, den Kameraden und allen, die uns folgen werden. Ein Budoka verbeugt sich beim Betreten und Verlassen des Dojos in den Raum hinein, auch wenn sich niemand mehr im Dojo aufhalten sollte. Das Verbeugen beim Eintreten in das Dojo soll äußerlich symbolisieren, dass der Budoka mit dem Eintreten in einen Bereich gelangt, in dem er sich nur auf das Training konzentriert und somit die "Alltagssorgen" vor der Tür läßt. Mit dem Verbeugen beim Verlassen des Dojos schließt er sein Training geistig und körperlich ab.

Zu Beginn und Ende eines jeden Trainings kniet man gegenüber dem Lehrer und verbeugt sich vor diesem. Dies ist Zeichen der Anerkennung, der Höflichkeit und des Respekts vor ihm. Auf die Bedeutung des Rei (Gruß, Verbeugung) sowie den Moment der Stille und Meditation (sog. Mokuso) wird hier nicht weiter eingegangen.

Vor und nach einem jedem Üben mit einem Trainingspartner oder beim Wechsel sollte man sich vor diesem verbeugen. Wird man durch eine Verbeugung von jemandem zum gemeinsamen Trainieren aufgefordert wird, hat man dieser nachzukommen. Ein Budoka verbeugt sich aus Respekt vor seinem Trainingspartner immer zu Beginn und zum Schluß der gemeinsamen Übung. Der Trainingspartner ist nicht ein Feind, denn er hilft einem beim Lernen, wofür er großen Respekt verdient. Das Zeremoniell der Begrüßung entfernt zudem störende Gedanken und hält Egoismus, Unkonzentriertheit und Unbeherrschtheit vom Dojo fern.

Respektiere Deine Gesundheit und die Gesundheit anderer.
Die Gesundheit des Partners ist oberstes Gebot.


Respektiere Deinen Lehrer und höre auf seine Anweisungen.

Gradhöhere sollten sich ihrem Grad zufolge vorbildlich benehmen.

Die höhergraduierten Gürtelträger sind zu respektieren und ihre Ratschläge sind zu beachten. Die Höhergraduierten haben ihrerseits für das Weiterkommen der weniger Fortgeschrittenen in kluger und freundlicher Weise zu sorgen.

Seid zueinander hilfsbereit, aber drängt euch nicht auf. Die Gemeinschaft der Übenden ist ein wertvolles Gut, das nicht nur während der Trainingszeit Bedeutung hat, sondern auch außerhalb gepflegt werden sollte. Gemeinsame Aktionen wie Feiern, Reisen oder private Hilfeleistungen stärken den Zusammenhalt der Gemeinschaft und den Willen den Weg (Do) der ausgeübten Budo-Sportart gemeinsam zu gehen.

Kritisiere grundsätzlich nie andere Mitglieder der Schule bzw. Personen anderer Stilrichtungen und Verbände. Sei immer bemüht anderen zu helfen, egal welcher Herkunft oder Graduierung. Missbrauche niemals Dein Können.

Zeige Respekt vor der Kampfkunst, Deinem Trainer und Deinen Mitschülern durch Dein äußeres Erscheinen und durch Deine Haltung. Kontrolliere beständig Deine Beziehung zu Deinem Lehrer und zu Deinem Dojo. Bewahre die rechten Umgangsformen und vergiß nie zu zeigen, dass Du zur Zusammenarbeit bereit bist.

Bekenne Dich zur Lernbereitschaft. Vermeide es, für andere Recht oder Unrecht zu sprechen. Erkenne Dich selbst und löse zunächst Deine eigenen Probleme. Fordere niemals mehr, als Du verdienst, und kritisiere nie, wenn Du nicht verstehst. Stelle keine unnötigen Fragen, sondern versuche zu lernen. Sei nicht überheblich, besserwisserisch oder arrogant. Wenn ein Fortgeschrittener Dir hilft, bedanke Dich bei ihm, indem Du Dich vor ihm verbeugst. Überwinde Dich zum Durchhalten und erziehe Dich mit Stärke.

Vor und nach dem Training knien der Lehrer und die Schüler zum gemeinsamen Verbeugen auf der Matte ab. Mit diesem Verbeugen zueinander, bedanken sich die Schüler dafür, daß ihr Lehrer sein Wissen an sie weitergibt. Der Lehrer wiederum zeigt sich dankbar, sein erworbenes Wissen an seine Schüler weitergeben zu können und bekundet durch die Verbeugung zu den Teilnehmern seinen Dank für die Teilnahme am Training und für die Disziplin.

Der Schüler dient seinem Lehrer indem er lernt.
Der Lehrer dient seinem Schüler indem er ihn anleitet, seinen Weg zu finden.

Oftmals kann man beobachten, dass einige Trainingsteilnehmer die vom Lehrer geforderten Techniken oder Übungen nicht oder nur einige Male trainieren, sich aber statt dessen mit anderen Teilnehmern unterhalten und dieselben von ihrem Training abhalten. Dies bezeichnet den Unterschied zwischen Sportler und Schüler. Der Schüler wird jede Gelegenheit zur Wiederholung der Übung wahrnehmen.

Gürtelprüfungen dienen nicht dazu, sich anderen gegenüber besser zu stellen. Sie sollen eine Bestätigung des persönlichen Fortschritts auf technischem und auf geistigem Gebiet sein. Die Graduierung ist kein Kriterium für einen guten oder schlechten Budoka. Falscher Ehrgeiz und Konkurrenz sind unangebracht. Mit höherer Graduierung steigt jedoch die Verantwortung gegenüber den Mitschülern. Du solltest für die rangniedrigeren Schüler immer ein Vorbild sein und Du entscheidest, welche Art Vorbild Du sein möchtest.

Wer andere erkennt, ist gelehrt.

Wer sich selbst erkennt, ist weise.

Wer andere besiegt, hat Muskelkräfte.

Wer sich selbst besiegt, ist stark.

Wer zufrieden ist, ist reich.

Wer seine Mitte nicht verliert, der dauert.

(Lao Tse)

Um den Geist und die Tradition des BUDO zu verstehen, benötigt man ein gefestigtes und ausgeglichenes ICH. Hierbei hilft die Dojo-Etikette, die Höflichkeit und die Achtung von Verhaltensformen gegenüber anderen Menschen. Der Budo- Geist entsteht nicht von selbst, sondern er wird durch die Haltung des Lehrers oder Senseis begründet und den Schülern vermittelt, indes beide nach größerer Selbsterkenntnis streben. Dabei sollten die Fortgeschrittenen nie vergessen, dass ihr Verhalten maßgebend für das Verhalten der Anfänger ist.

Frank Stolzenburg, Ju-Jutsu


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